Dioxinkonzentrationen in Lebensmitteln
Mittlere Dioxinkonzentrationen in Lebensmitteln in Deutschland von 2000 bis 2003 (BfR: Bundesinstitutfür Risikobewertung, 2003) - (ng = Nanogramm, pg = Picogramm, 1000 pg = 1 ng )
Fachliche Bewertung
Die korporale Belastung des Menschen mit Dioxinen resultiert zu ca. 95% aus der Nahrung,
insbesondere aus Lebensmitteln tierischer Herkunft. Die Dioxine reichern sich über die Nahrungs-
kette in tierischen Fetten an. Den Hauptbestandteil tragen Milch und Milchprodukte mit 39% und
Fleisch und Fleischprodukte mit 28% bei, während die Aufnahmen von Dioxinen über Fisch mit 14%
und Eier mit 10% deutlich geringer ist.
Die Abbildung „Mittlere Dioxinkonzentrationen in Lebensmitteln in Deutschland von 2000 bis 2003“
gibt einen Überblick über die durchschnittlichen Dioxingehalte in Lebensmitteln. Auf der Grund-
lage der in den Jahren 1987 bis 1990 in Lebensmitteln festgestellten Dioxin-Gehalte wurde berechnet,
dass ein Erwachsener in Deutschland täglich ca. 1,9 bis 2,6 pg WHO-PCDD/F-TEQ/kg
Körpergewicht über die Nahrung aufnahm. Anhand aktueller Lebensmitteluntersuchungen aus den
Jahren 2000 bis 2003 ergibt sich mit 0,72 pg WHO-PCDD/F-TEQ/kg Körpergewicht eine deutlich
geringere tägliche Zufuhr für Erwachsene. Der Rückgang der täglichen Aufnahme liegt bei 60
bis 70 % und ist auch in den Gehalten der für die Dioxinaufnahme relevanten Lebensmittel zu erkennen.
Werden zu der Dioxinaufnahme die dioxinähnlichen PCB miteingerechnet, so liegt für Erwachsene
in Deutschland die durchschnittliche tägliche Aufnahme bei 2pg WHO-TEQ/kg Körpergewicht.
Kinder, die z. B. mehr Milch trinken, sind höher belastet, da sie im Verhältnis zu ihrem
Körpergewicht mehr Lebensmittel aufnehmen. Säuglinge, die gestillt werden, liegen durch die
Belastung über die Muttermilch mehr als 50-fach über diesem Wert. Eine Reduzierung der Be-
lastung bei Säuglingen und beim ungeborenen Leben über die Plazenta kann nur durch eine
Reduzierung der Belastung der Mutter erreicht werden.
Bedeutung
Dioxine sind eine Stoffgruppe, die sich aus polychlorierten Dibenzo-p-dioxinen und Dibenzofuranen
mit insgesamt 210 verschiedenen Kongeneren zusammensetzt. Dioxine wurden nie
gezielt industriell produziert. Sie entstehen als unerwünschte Nebenprodukte bei allen
chemischen Produktionsverfahren, in denen Chlor verwendet wird sowie bei Verbrennungs- prozessen
in Anwesenheit von Chlor. Wegen ihrer hohen Stabilität gehören sie zur Gruppe der
persistenten organischen Verbindungen und sind durch die POP - Konvention (Stockholmer
Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe vom 22. Mai 2001) geächtet.
Das Dioxin mit der größten toxischen Wirkung
ist das 2,3,7,8 TCDD (Tetrachlor-dibenzo-p-dioxin) auch als sogenanntes „Sevesogift“ bekannt.
16 weitere Kongenere haben eine ähnliche chemische Struktur und sind ebenfalls besonders
toxisch.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Toxizitätsäquivalentfaktoren (2) festgelegt. Die
tolerierbare tägliche Aufnahme einschließlich dioxinähnlicher PCB wurde auf 1 bis 4pg WHO-TEQ/kg
Körpergewicht festgesetzt. Die EU-Kommission hat eine tolerierbare tägliche Aufnahme von 2pg WHO-TEQ/kg Körpergewicht festgelegt.
(2)Die Toxizitätsäquivalentfaktoren geben das Verhältnis der Toxizität Dioxin 2,3,7,8 TCDD (Tetrachlor-dibenzo-p-dioxin) zu den 16 Kongeneren an.
Maßnahmen zur Zielerreichung
Maßnahmen, die zu Reduzierung des Dioxineintrags in die Umwelt geführt haben, sind u. a. die Begrenzung der Dioxin-Emissionen aus Verbrennungsanlagen auf 0,1 ng I-TEQ/m 3, die Schließung von Kabelverschwelungsanlagen, die Scavenger-, die PCP- und die PCB-Verbotsverordnung und der Verzicht auf Chlorbleiche bei der Papierherstellung.
Trotz des Rückgangs der Dioxinkontamination in der Muttermilch müssen noch weitere Anstrengungen unternommen werden, um hier eine Verbesserung zu erreichen. Die von der EU zum 1.7.2002 festgesetzten Höchstgehalte für Lebensmittel sind allerdings dafür wenig geeignet, weil sie nur Lebensmittel mit extremen Spitzenbelastungen vom Markt fernhalten sollen.
Vom Menschen werden 90-95 % der Dioxine über die Nahrung aufgenommen. Nahezu zwei Drittel dieser Aufnahme erfolgt über den Verzehr von Fleisch und Milchprodukten. Fische sind zwar - je nach Fettgehalt - höher mit Dioxinen belastet, werden jedoch nur in kleinen Mengen in Deutschland konsumiert.
Die folgende Übersicht zeigt die durchschnittliche Dioxinkonzentration von Nahrungsmitteln im Zeitraum 2000 bis 2007 in Deutschland.
|
Bezug der Konz. |
WHO-TEQ-Konz. |
Dioxine/ Furane |
Dioxinähnliche PCB |
Summe |
Höchstgehalte Dioxine/Furane |
| pg/g Lebensmittel (Fett/Frischgewicht) |
| 2000-2003 |
2004-2007 |
2000-2003 |
2004-2007 |
2000-2003 |
2004-2007 |
|
Fleisch/Fleischerzeugnisse
Schwein
Rind/Schaf
Geflügel |
Fett
Fett
Fett |
0,49 (38)*
0,80 (34)
0,32 (27)
|
0,14 (102)
0,63 (233)
0,67 (109)
|
0,13 (4)
1,24 (9)
0,30 (1)
|
0,37 (18)
1,10 (86)
0,66 (36)
|
0,35 (4)
2,84 (9)
0,86 (1)
|
0,61 (18)
1,84 (86)
1,35 (36)
|
1
3
2
|
| Milch und Milcherzeugnisse |
Fett |
0,39 (407) |
0,38 (976) |
0,93 (41) |
0,80 (343) |
1,40 (29) |
1,25 (243) |
3 |
Hühnereier
alle Haltungsformen
Käfighaltung
Bodenhaltung
Freilandhaltung |
Fett
Fett
Fett
Fett |
0,93 (367)
-
0,35 (7)
1,65 (38) |
0,76 (995)
0,33 (216)
0,48 (179)
0,95 (331) |
5,98 (57)
-
-
87,87 (3) |
1,21 (534)
0,40 (92)
2,10 (93)
1,24 (189) |
7,37 (53)
-
-
92,54 (3) |
2,09 (534)
0,81 (92)
2,67 (93)
2,18 (189) |
3
3
3
3 |
| Öl/Fett tierisch |
Fett |
- |
0,19 (34) |
- |
0,07 (2) |
- |
0,15 (2) |
3 |
| Öl/Fett pflanzlich |
Fett |
- |
0,14 (133) |
- |
0,14 (44) |
- |
0,32 (44) |
0,75 |
| Fische und Fischerzeugnisse |
Frischgewicht |
0,47 (31) |
0,99 (309) |
- |
1,46 (124) |
- |
2,32 (124) |
4 |
| Flussale |
Fett |
2,24 (43) |
2,05 (37) |
- |
8,26 (37) |
- |
10,31 (37) |
keiner |
| Getreide/Obst/Gemüse |
Frischgewicht |
0,01 (72) |
0,03 (181) |
- |
0,01 (110) |
- |
0,03 (110) |
keiner |
Leber (Rind,Schaf Schwein, Geflügel) |
Fett |
- |
2,25 (79) |
- |
0,81 (31) |
- |
3,52 (31) |
6 |
| Fischleber |
Fett |
- |
23,91 (31) |
- |
98,60 (29) |
- |
122,39 (29) |
keiner |
Quelle: Auswertung der POP-Dioxin_Datenbank des Bundes und der Länder; Auswertung BVL (2009): Sommerfeld, Kliemant
*n = Anzahl untersuchter Proben